Vor dem Büro stehen zwei große Holzboxen, meine Kollegin bittet mich die für sie zu öffnen. Nach langem mehr oder weniger handwerklichen Einwirken auf die Verschlusskappen öffnet sich der Deckel. Zum Vorschein kommt ein metallisches ausfahrbares Ding, ungefähr so stelle ich mir eine Bombe vor. Aber das hier zerstört nicht, es errichtet, denn das ist eine Solarbetrieben Wasserpumpe für eine unserer Projektschulen. Stolz schaue ich auf das Monstrum, das ist ja fast wie Weihnachten und Ostern zusammen. Nach den Besuchen an den Schulen wurde jetzt entschieden, welche Schulen weitere Hilfe bekommen. Das wir eine neue Pumpe bei einer Schule und eine neue Toilette bei einer anderen bauen. macht mich sehr stolz, aber noch viel stolzer machen mich die Schulen, die keine Unterstützung bekommen. Das heißt von einer Schule mit einer sehr schlechten Hygiene und Sanitärsituation, wie alle Schulen sie vor beginn des Projekts hatten, sind sie zu Schulen geworden, wo weitere Unterstützung einfach aktuell nicht nötig ist. Präventionspläne funktionieren, Hygienetrainings werden umgesetzt, Toiletten sind genug und sauber, es gibt Trinkwasser. Es geht den Kindern gut, die Mädels können auch während der Periode in die Schule kommen, Kinder werden seltener krank, Unterrichtszeit kann effektiver genutzt werden…
Kategorie: Allgemein
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Blutrote Blumen

Ugandas Pflanzenvielfalt ist immens und doch kriegt man es in der Großstadt Kampala kaum mit. Hier hinter den Mauern wachsen riesige Bäume und wilde Blumen überall. Tausende blutrote Blumen, eine Blume für jedes Blut was hier in der Erde versickerte, denke ich.
Früher war das hier der Sitz des Königs, bzw. später des Präsidenten. Doch der aktuelle Präsident weigert sich hier zu leben, denn dies ist nicht nur der Ort an dem Idi Amin seine Macht erlangte, wenn man durch den Garten und an der Community von Sicherheitskräften, die hier wohnen vorbeigeht, dann taucht aus dem Boden ein riesiger Tunnel aus, der wie der Vorhof zur Hölle aussieht. Er sieht nicht nur so aus. Hier wurden politische Gegner und Gelehrte unter Idi Amins Herrschaft hin verschleppt. Hinter einer, mittlerweile fehlenden, Metalltür wartete knietiefes Wasser auf die Gefangenen, an den Wänden sieht man noch Kugeleinschläge, blutige Handabdrücke und vor allem eins: Stromkabel, die direkt in das Wasser führen. Wenn man stark genug war um diesen Schock zu überleben, dann kam man in eine der Zellen und verhungerte dort wie die meisten. Tausende Menschen starben hier und insgesamt ca. 300.000 im ganzen Land. Im fünfjährigen Bürgerkrieg um die Macht nach dem Sturz des Idi Amin wurden verschiedene stigmatisierte Gruppen auch zeitweise in diesen Untergrund-Gefängnissen festgehalten. Viele weitere Blumen blühten auf. Jetzt ist dieser Ort ein Gedächtnisort der einen erinnern soll an die blutige Vergangenheit dieses Landes. Nie wieder.
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“Control your self take only what you need from it.“

Der Mann zeigt auf einen Baum dessen Rinde am ganzen Stamm fehlt. Das ist hier die traditionelle Art wie Kleidung hergestellt wurde. Die Rinde des Baums wurde abgenommen und dann sieben Stunden lang per Hand bearbeitet bis sich ein lederähnliches Material ergeben hat. Ganz ohne Kühe. Daraus wurden früher Klamotten gemacht und das Material wird immer noch von großen Marken wie Nike oder Adidas für das Innenleben von Schuhen genutzt. Nach der Abnahme der Rinde wird der Stamm mit Bananenblättern geschützt, sodass der Baum keinen Schaden nimmt und innerhalb weniger Monate die gesamte Rinde von alleine nachwächst. Niemals nahmen sie mehr Rinde ab als sie wussten, dass der Baum wieder regenerieren konnte, sonst würde er absterben und ihnen gar keine Rinde mehr geben. 2025 haben wir bis zum 24. Juli (Earth Overshoot Day) so viel Rinde abgerissen wie grade nachwachsen könnte, die 159 Tage danach haben wir Rinde abgerissen die nie wieder nachwachsen wird. Nie wieder.
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Kistenobst

Im Supermarkt gibt es Granatäpfel, Avocados, Mangos, Jackfruits, Ananas und vieles mehr. Aber keine Beeren oder ähnliches. Es wird kaum Obst und Gemüse importiert, alles oben genannte wächst hier. Es ist das Vitaminparadies. Auf dem Weg durch einen Garten fragt meine Mitbewohnerin was das für verschiedenen Bäume sind. In Deutschland sind das dann Fichten, Kiefern und vielleicht eine Trauerweide. Doch das hier sind Granatäpfel, Avocados, Bananen, Bananen, Bananen oder Bananen. Ja das ist kein Tippfehler, es gibt vier verschiedene Bananenarten, kleine, große, süße und herzhafte. Bananen überall. Ich habe keine Ahnung welche Bäume welche sind. Für mich sind solche Früchte immer in Kisten gewachsen.
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Umherstreifender Wanderer

Wir sind auf dem Rückweg von einer Schulbesichtigung, auf dem Boda, so heißen die Mofas hier rollen wir über die staubige Straße. Immer mal tauchen rechts und links vereinzelt Häuser auf, der Rest der Landschaft sind grüne Hügel, es ist schön und ruhig und heiß. Wir sind etwas außerhalb der Millionenstadt Kampala. Wenn wir an Häusern vorbeifahren drehen sich Kinderköpfe und zeigen Kinderfinger in unsere Richtung. „Muzungu“ rufen sie. Meine Kollegin lacht, hier kommt es nicht so oft vor, dass man eine weiße Person sieht. Doch Muzungu ist keinesfalls ein M-Wort, es ist viel liebevoller, immer noch ein Wort was Grenzen auf Grund von Aussehen schafft, aber nicht bewusst. Die genaue Übersetzung ist umherstreifender Wanderer, wie treffend. Als ich im Taxibus nach Hause doppelt so viel zahle wie alle anderen muss ich lachen. Dieses Taxi hat eine Reichensteuer.
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Freiheitskämpfer
Montag. Heute ist ein nationaler Feiertag, Liberation Day. Weil genau heute vor über vierzig Jahren der Frieden einkehrte. Nach lange Unruhen und Kämpfen kehrte damals wieder Sicherheit und Freiheit ein. Die Schreckensherrschaft des Idi Amin war vorbei, während seiner Regierungszeit waren Zehntausende Menschen getötet und gefoltert worden. Er galt als einer der grausamsten Diktatoren, die es je gab. Der neue Präsident versprach Demokratie und Frieden, in einem seiner bekanntesten Zitate sagte er, das größte Problem der Politik seien Herrscher die sich seit Ewigkeiten an ihre Macht klammern. Das sagte er vor vierzig Jahren, er ist noch immer im Amt. Unter seiner Führung hat das Land deutlichen Aufschwung bekommen und doch verschwinden wieder Oppositionelle, Andersdenkende und Andersfühlende (Auf homosexuelle Handlungen in der Öffentlichkeit steht die Todesstrafe) werden bedroht und ausgegrenzt. Die Wahlergebnisse werden gefälscht, seine Macht wird militärisch gesichert. Da ist mir die Wiedersprüchlichkeit des Tag der deutschen Einheit in einem gespaltenen Land doch lieber, als der Liberation Day in einer 3/4-Diktatur.
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Ein Eimer Wasser
Die Wasserrohre werden erneuert, weswegen wir kein Wasser haben. Ich dusche mit einem Eimer Wasser. Naja.
Heute besuchen wir drei Schulen, bei denen VcA neue Toiletten, Wassersysteme oder Pumpanlagen gebaut hat, davon profitieren ca. 4000 Kinder. Es gibt Mädchen einen Ort zum reinigen und wechseln von Menstruationsprodukten, weswegen sie auch während dieser Zeit zur Schule kommen. Es schützt Kinder vor Krankheiten und vor Unerrichtsversäumnissen durchs Wasser holen. Es gibt Würde und ein Lächeln. Auch mir, als die Koordinatorin der Schule uns von dem Einfluss erzählt, den VcA auf die gesamte Schule hat. Danach gehen wir hinab ins Tal, es ist heiß und steil. Sie zeigt uns das Wasserloch aus dem sie früher mit einem Eimer wie meinem Wasser geholt und den ganzen Weg hinaufgetragen haben. Es ist verseucht mit gefährlichen Krankheitserregern durch Fäkalverschmutzung. Die neue Pumpe fördert tieferes Wasser und hat eine Aufbereitungsanlage, natürlich alles Solarbetrieben. Auch dank euch.
Wieder zuhause bin ich durchgeschwitzt von der ewigen Sonne und den wunderbaren Erfahrungen, ich dusche mit meinem Eimer. Naja heißt jetzt: Ach, halb so schlimm.
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Wahl
Kampala, Uganda

Seit zwei Wochen bin ich nun in Uganda, eine davon im Chaos der Nationalwahl. Internetsperre, Demonstrationen und Sicherheitsgefahren haben mich dazu bewegt die zweite Woche hauptsächlich zuhause zu verbringen.
Von meinem Balkon kann ich auf die benachbarte Schule sehen wo gewählt wird. Abends um sechs wird das Ergebnis unseres Bezirks laut ausgezählt. 320, 321, 322, 323 Stimmen für die Opposition. 22 Stimmen für den Präsidenten. Zwei Tage später steht das nationale Ergebnis in dem einzigen offenen Informationskanal: Fernsehen. Der Langzeitpräsident/ Teilzeitautokrat Museveni gewinnt mit über 70% der Stimmen.
Es ist sehr interessant zu erleben, was es heißt, dass Wahlergebnisse gefälscht, Oppositionsmitglieder bedroht und Demonstrationen gewaltsam aufgelöst werden, einfach weil es kein Recht auf Versammlung gibt. Ein Land liegt lahm, wenn ein Einzelner mit dem Finger schnippt. Ein Großteil der Bevölkerung wünscht sich einen anderen Präsidenten, aber weiß auch, dass ein Machtwechsel unfassbar blutig wäre.
Und es ist sehr mahnend, die demokratischen Mittel in Deutschland, dazu zu nutzen uns vor derlei autokratischen Übergriffen zu schützen, solange wir sie haben.
Es mag anstrengend sein immer wieder in den Diskurs zu gehen, es mag Zeit kosten sich politisch zu engagieren und die Entwicklungen der letzten Jahre lassen einen ohnmächtig fühlen, aber es lohnt sich. Für eine Welt der Vielfalt und Mitbestimmung, der Freiheit und des Rechts, für politische Schönheit.
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Geburtstag
Momente

Khomotso hat Geburtstag, ich wünsche ihr alles Gute bald in Namibia. Wir essen zusammen, eine Geburtstagsgesellschaft aus Reisenden und ich bin mitten drin. Vor knapp einem Monat bin ich angekommen ganz alleine in einer Millionenstadt und jetzt sitze ich an einem Tisch als enger Freund. Es freut mich riesig und fühlt sich an wie ankommen. Einige hier werde ich sehr vermissen und das ist etwas Gutes.
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Massage
Momente

Meine Haare müssen mal wieder geschnitten werden, also ab zum Friseur. Eigentlich mag ich das nicht, man ist nie zufrieden da nach, aber davor ja auch nicht. Zuerst werden mir die Haare gewaschen, wobei das die größte Untertreibung der Welt ist, es ist eine vollwertige Massage. Von Minute zu Minute falle ich tiefer in die Entspannung, vielleicht kann man die Reste an der Hirnhaut nicht einweichen, aber raus massieren scheint zu gehen. Die letzten Tage war ich krank und wenn man viel im Bett liegt verspannt sich der Nacken, denke ich grade, als sie anfängt meinen Nacken zu massieren. Danach schneidet sie mir die Haare, es sieht gut aus, ein bisschen kurz vielleicht, so muss ich aber nicht direkt in zwei Wochen wiederkommen. Ich denke an die Massage, schade eigentlich.