Wahl

Kampala, Uganda

Seit zwei Wochen bin ich nun in Uganda, eine davon im Chaos der Nationalwahl. Internetsperre, Demonstrationen und Sicherheitsgefahren haben mich dazu bewegt die zweite Woche hauptsächlich zuhause zu verbringen.

Von meinem Balkon kann ich auf die benachbarte Schule sehen wo gewählt wird. Abends um sechs wird das Ergebnis unseres Bezirks laut ausgezählt. 320, 321, 322, 323 Stimmen für die Opposition. 22 Stimmen für den Präsidenten. Zwei Tage später steht das nationale Ergebnis in dem einzigen offenen Informationskanal: Fernsehen. Der Langzeitpräsident/ Teilzeitautokrat Museveni gewinnt mit über 70% der Stimmen.

Es ist sehr interessant zu erleben, was es heißt, dass Wahlergebnisse gefälscht, Oppositionsmitglieder bedroht und Demonstrationen gewaltsam aufgelöst werden, einfach weil es kein Recht auf Versammlung gibt. Ein Land liegt lahm, wenn ein Einzelner mit dem Finger schnippt. Ein Großteil der Bevölkerung wünscht sich einen anderen Präsidenten, aber weiß auch, dass ein Machtwechsel unfassbar blutig wäre.

Und es ist sehr mahnend, die demokratischen Mittel in Deutschland, dazu zu nutzen uns vor derlei autokratischen Übergriffen zu schützen, solange wir sie haben.

Es mag anstrengend sein immer wieder in den Diskurs zu gehen, es mag Zeit kosten sich politisch zu engagieren und die Entwicklungen der letzten Jahre lassen einen ohnmächtig fühlen, aber es lohnt sich. Für eine Welt der Vielfalt und Mitbestimmung, der Freiheit und des Rechts, für politische Schönheit.