Autor: jacob

  • Ein Eimer Wasser

    Die Wasserrohre werden erneuert, weswegen wir kein Wasser haben. Ich dusche mit einem Eimer Wasser. Naja.

    Heute besuchen wir drei Schulen, bei denen VcA neue Toiletten, Wassersysteme oder Pumpanlagen gebaut hat, davon profitieren ca. 4000 Kinder. Es gibt Mädchen einen Ort zum reinigen und wechseln von Menstruationsprodukten, weswegen sie auch während dieser Zeit zur Schule kommen. Es schützt Kinder vor Krankheiten und vor Unerrichtsversäumnissen durchs Wasser holen. Es gibt Würde und ein Lächeln. Auch mir, als die Koordinatorin der Schule uns von dem Einfluss erzählt, den VcA auf die gesamte Schule hat. Danach gehen wir hinab ins Tal, es ist heiß und steil. Sie zeigt uns das Wasserloch aus dem sie früher mit einem Eimer wie meinem Wasser geholt und den ganzen Weg hinaufgetragen haben. Es ist verseucht mit gefährlichen Krankheitserregern durch Fäkalverschmutzung. Die neue Pumpe fördert tieferes Wasser und hat eine Aufbereitungsanlage, natürlich alles Solarbetrieben. Auch dank euch.

    Wieder zuhause bin ich durchgeschwitzt von der ewigen Sonne und den wunderbaren Erfahrungen, ich dusche mit meinem Eimer. Naja heißt jetzt: Ach, halb so schlimm.

  • Wahl

    Kampala, Uganda

    Seit zwei Wochen bin ich nun in Uganda, eine davon im Chaos der Nationalwahl. Internetsperre, Demonstrationen und Sicherheitsgefahren haben mich dazu bewegt die zweite Woche hauptsächlich zuhause zu verbringen.

    Von meinem Balkon kann ich auf die benachbarte Schule sehen wo gewählt wird. Abends um sechs wird das Ergebnis unseres Bezirks laut ausgezählt. 320, 321, 322, 323 Stimmen für die Opposition. 22 Stimmen für den Präsidenten. Zwei Tage später steht das nationale Ergebnis in dem einzigen offenen Informationskanal: Fernsehen. Der Langzeitpräsident/ Teilzeitautokrat Museveni gewinnt mit über 70% der Stimmen.

    Es ist sehr interessant zu erleben, was es heißt, dass Wahlergebnisse gefälscht, Oppositionsmitglieder bedroht und Demonstrationen gewaltsam aufgelöst werden, einfach weil es kein Recht auf Versammlung gibt. Ein Land liegt lahm, wenn ein Einzelner mit dem Finger schnippt. Ein Großteil der Bevölkerung wünscht sich einen anderen Präsidenten, aber weiß auch, dass ein Machtwechsel unfassbar blutig wäre.

    Und es ist sehr mahnend, die demokratischen Mittel in Deutschland, dazu zu nutzen uns vor derlei autokratischen Übergriffen zu schützen, solange wir sie haben.

    Es mag anstrengend sein immer wieder in den Diskurs zu gehen, es mag Zeit kosten sich politisch zu engagieren und die Entwicklungen der letzten Jahre lassen einen ohnmächtig fühlen, aber es lohnt sich. Für eine Welt der Vielfalt und Mitbestimmung, der Freiheit und des Rechts, für politische Schönheit.

  • Geburtstag

    Momente

    Khomotso hat Geburtstag, ich wünsche ihr alles Gute bald in Namibia. Wir essen zusammen, eine Geburtstagsgesellschaft aus Reisenden und ich bin mitten drin. Vor knapp einem Monat bin ich angekommen ganz alleine in einer Millionenstadt und jetzt sitze ich an einem Tisch als enger Freund. Es freut mich riesig und fühlt sich an wie ankommen. Einige hier werde ich sehr vermissen und das ist etwas Gutes.

  • Massage

    Momente

    Meine Haare müssen mal wieder geschnitten werden, also ab zum Friseur. Eigentlich mag ich das nicht, man ist nie zufrieden da nach, aber davor ja auch nicht. Zuerst werden mir die Haare gewaschen, wobei das die größte Untertreibung der Welt ist, es ist eine vollwertige Massage. Von Minute zu Minute falle ich tiefer in die Entspannung, vielleicht kann man die Reste an der Hirnhaut nicht einweichen, aber raus massieren scheint zu gehen. Die letzten Tage war ich krank und wenn man viel im Bett liegt verspannt sich der Nacken, denke ich grade, als sie anfängt meinen Nacken zu massieren. Danach schneidet sie mir die Haare, es sieht gut aus, ein bisschen kurz vielleicht, so muss ich aber nicht direkt in zwei Wochen wiederkommen. Ich denke an die Massage, schade eigentlich.

  • Einweichen

    Momente

    Ein paar dreckige Teller und Schüsseln stehen in der Spüle, seit Tagen. Jetzt wo ich endlich mal anfangen wollte abzuwaschen ist all der Dreck hart wie Beton. Ich schrubbe und schimpfe, nix passiert, doch die Fruchtfliegen sind jetzt beleidigt. Also erstmal einweichen, das ist nicht nur ein guter Grund das später zu machen, sondern das Beste am Abspülen. Das passive Einkommen des Abwaschens nur, dass halt auch niemand anders dafür arbeiten muss. Eine Stunde später stehe ich wieder an der Spüle und schaue auf den Stapel. Ich nehme eine Schüssel heraus und kippe das Wasser in ihr aus. Der Dreck fließt freiwillig mit in den Abfluss, einfach so, ohne überreden, ohne schimpfen und sogar ohne schrubben. Und so geht das mit allen eingeweichten Tellern und Schüsseln, egal ob Nudeln mit Tomatensauce, Pilz-Zitronen-Wraps oder Müsli. Einfach so. Ich wische nochmal nach und trockne ab, während mein Kopf noch ganz begeistert ist. Wenn das nur bei Menschen auch ginge… Ich habe da auch so ein paar Reste von früher die an meiner Hirnhaut fest getrocknet sind und auch nicht weggehen. Ein paar Minuten später wache ich aus meinen Gedanken mit dem Kopf in einem Eimer voller Wasser wieder auf.
    Hilft beim wach werden. Immerhin. Und das Geschirr ist jetzt ja auch schon sauber.

  • Würfeln

    Momente

    Ich liege am Strand und spiele Kniffel. Gegen mich selbst, wobei das nicht richtig ist, eher mit mir selbst. Eine Reihe muss ich von oben schreiben und eine von unten, zwei Reihen darf ich schreiben wie ich will. Das sind ganz schön viele Felder und noch mehr Möglichkeiten. Doch am Ende ist immer der ganze Zettel voll, nichts hat funktioniert wie es sollte, aber vieles hat anders funktioniert. Aus vier Dreien im ersten Wurf ist leider doch kein Kniffel mehr geworden, aus den zwei Sechsen im zweiten Wurf dafür schon. Am Ende gucke ich auf mein Buch und tatsächlich sind alle Felder ausgefüllt, mit Würfen die am Anfang gar nicht das werden sollten was sie geworden sind. Vielleicht sollte ich noch erwähnen, dass es die beste Runde jemals war. Das haben Ich und Ich gut gemacht. Ich freue mich riesig, aber dann fällt mir ein, dass ich doch eigentlich einen Tagebucheintrag in dieses Buch schreiben wollte und die Freundin mit der ich mich treffen wollte auch schon eine halbe Stunde zu spät ist. Und jetzt liege ich da und bin glücklich, Scheiße.

  • Gefahr

    Momente

    Ob diese Gans wohl Angst hat davor herunterzufallen? Wahrscheinlich nicht. Und doch sind es manchmal die Orte an denen wir uns am sichersten fühlen, die am gefährlichsten sind. Hier in Südafrika lauern überall Gefahren, Raub, Gewalt und Verwahrlosung sind nur einige davon. Aber hier ist man sich den Gefahren bewusst, vielleicht sogar etwas zu bewusst, so dass jeder Blick als Bedrohung verstanden werden kann. Aber da wo man sich fühlt wie eine Gans auf einer Laterne, wie in Watte gepackt, auch da lauern immer Gefahren. Während ich im Bett zu einem gruseligen Film überlege ob unsere Haustür sicher genug ist und ob vielleicht irgendwo ein Fenster auf ist (Was war das für ein Geräusch?) schickt meine Mutter mir ein Bild von einem riesigen Wespennest. Dieses ist nur noch durch die Tapete von meinem alten Zimmer getrennt gewesen, direkt dort wo ich nachts immer geschlafen habe. Wie in Watte gepackt. Tausende Wespen direkt neben meinem Kopf. Gefahr lauert nicht immer nur da wo man sich unwohl fühlt, sondern oft da wo man sich am sichersten ist. (@Friedrich Merz)

  • Schöne Dinge

    Momente

    Die Wellen peitschen auf den Strand, wie die Wogen durch die Menschenmenge auf den Rängen peitschen. Es ist Volleyball World Tour Halbfinale, ich sitze am Zaun und kann auch ohne Ticket sehr gut sehen. Auf meinem Gesicht ist das breiteste Grinsen, denn das sind die besten Spieler der Welt des besten Spiels der Welt. Für mich sieht es aus wie ein Kunstwerk, als wären sie ein gemeinsam denkender und handelnder Organismus. Wie beste Freunde. Dabei denke ich an die Runden Volleyball die ich die letzten Jahre mit Jesse gespielt habe und wie wir auf dem Platz eins wurden. Jetzt bekomme ich Lust zu spielen und das trifft sich gut in zwei Stunden bin ich zum beachen verabredet. Davor setze ich mich an einen ruhigen Ort zwischen die Strände und sehe den Surfern bei surfen, den Wellen beim auf die Steine preschen, quasi den Dingen beim schön sein zu. Als ich zum Strand komme ist er noch fast leer aber nach kurzer Zeit steht da ein Volleyballnetz und zwanzig Leute drum herum. Jede Runde lässt mein Herz noch höher schlagen und als wir dann ein ganz spannendes Spiel zum Sonnenuntergang 16:14 verlieren, fühlt es sich doch wie gewinnen an. Als die Donne verschwunden ist bringt mich ein Mitspieler nach Hause, direkt vor die Tür. Ich kann nicht einschlafen, denn mein Herz denkt, dass dieser Tag nie enden darf.

  • Gefängnis

    Momente

    Ich sitze auf der Terasse vor dem Haus, sie ist durch ein Gitter von der Straße getrennt, was mich davor schützt das hier eingebrochen wird. Es ist quasi ein Zaun aber sie wie wie ein Gitter aus. Es sperrt die Gefahr aus, aber fühlt sich eher so an als wär man eingesperrt. Ich bin gegen Grundstücke und Zäune, aber hier würde das bedeuten auch gegen anderen Besitz zu sein. Zumindest den eigenen 🙂

  • Steril

    Mo(nu)mente

    Ich fahre nach Stellenbosch und übernachte zwei Nächte bei Maya, einer guten Freundin aus Osnabrück. Hier kann man sicher draußen spazieren und wir fahren auf einen Weinberg zum Frühstücken. Alles ist hier ein bisschen leichter und einfacher, wie die Kommunikation, denn wir sprechen beide die gleiche Sprache. Dabei meine ich nicht deutsch, sondern etwas tieferes individuelleres. Man ist hier manchmal allein, aber nicht mit seinen Sorgen und Problemen. Das ist gut. Aber dieses Wochenende bedeutet nicht nur alte Freunde sondern auch neue Orte. Alles ist in Stellenbosch irgendwie weiß, es wirkt schön, aber fast ein bisschen steril. So wie die Straßen die von der Armut die in diesem Land immer noch mehr als 60% der Menschen betrifft nichts verraten. Auf dem Weg hierhin habe ich viele Wellblechhütten gesehen, die waren nicht weiß und schon gar nicht steril. Mein Fahrer sagt, er würde Tiere die unter solchen Umständen gehalten würden nicht essen. Hier leben Menschen.