Farbenblind

Grade lese ich das unfassbar spannende Buch -Born a Crime- von Trevor Noah, über seine Kindheit und Jugend als „Mixed-coloured“ Kind im postapartheidlichen Südafrika. Eine der bedeutsamsten und zugleich unterhaltsamsten Geschichten möchte ich euch nicht vorenthalten:

Zum Anfang seiner Pubertät war Trevor mit seiner Mutter in einen „weißen“ Vorort gezogen. Die einzigen Freunde, die er hatte waren die schwarzen Kinder der Haushaltshilfen. Mit einem von diesen war er auch in der selben Klasse, sie waren die einzigen nicht weißen und nicht reichen. Dennoch gingen sie nach der Schule immer in der Mall ab, vor allem weil sie dort Likörschokolade klauten und aßen. Eines Abends wurden sie gesehen von einem Polizisten, der sie dann samt seiner Kollegen verfolgte. Trevor kannte die Gegend perfekt, sein Freund nicht. Als sie sich irgendwann aufteilten entkam Trevor, am nächsten Tag in der Schule fehlte sein Freund. Sie hatten ihn festgenommen. Später wurde er dann zum Schulleiter gerufen in dessen Büro sich schon drei Polizisten versammelt hatten. Sie zeigten ihm die Bilder der schwarz-weißen Überwachungskamera, fuck jetzt haben sie mich, dachte Trevor noch und wollte schon fast gestehen als ihn einer der Polizisten fragte ob er wüsste das sein Freund einen weißen Freund hatte, verwirrt sah Trevor wieder auf die Kamerabilder. War das eine Falle? Das war doch ganz klar er, Trevor! Aber jetzt wo er sich das Bild länger ansah fiel ihm auf, das die schwarz-weiße Kamera mit seiner hellen „Mixed-coloured“ Haut nicht umgehen konnte und im Gegensatz zu seinem „schwarzen“ Freund war er auf den Bildern komplett weiß. Trotzdem waren seine Gesichtszüge klar zu erkennen, aber nur wenn man auch daran dachte ihn zu verdächtigen. Das über Jahrzehnte geprägte Verständnis von Hautfarbe hingegen brachte die Beamten dazu ihn gar nicht zu verdächtigen. Er war ja nicht weiß.