Bergfahren

ist wie dichten.

So heißt es zumindest sinngemäß im niederländischen Film „Ventoux“ den wir auf unserer Reise gesehen haben. In dem Film erklimmen ein paar Jugendliche aus der schieren Lust heraus mit dem Fahrrad den Mont Ventoux, einen der schwersten Anstiege der Tour de France. Riesige Filmempfehlung! Peter, die tragische Figur des Films dichtet dabei auf dem Weg zum Gipfel ein Gedicht. Auch wir hatten so einige lange Anstiege, wie zum Beispiel den auf den Brenner hinauf. Auf dieser Auffahrt habe auch ich mich an Peters Worte gehalten und mir etwas zusammen gereimt. Zur Feier des Tages will ich es auch euch nicht vorenthalten:

Der unbezwingbare Berg

Ich stehe, mit meinem vergleichsweise ameisengroßen Körper, vor diesem unbezwingbaren Berg. Doch es ist beschlossene Sache und so steig ich auf mein Pferd, aus Ketten und aus Rädern, aus Sattel und aus Reifen. So stark wie ich bin, so weit kann dieses Pferd auch reiten. Doch der erste Anstieg ist steil und ich beginne leicht zu zittern, frage mich nervös ob mein Herzschlag zu meinem Tritt passt. Bin ich zu langsam oder zu schnell vielleicht? Dieser verdammte Berg! Ich mein der Gipfel ist noch weit. Ein Zehntel der Strecke habe ich jetzt erst geschafft, bis ich ganz oben bin ist bestimmt schon dunkle Nacht. Ich fahr weiter nach oben und meine Gedanke rennen hinterher, doch an Stelle meines Kopfes werden nur meine Beine leer. So geht das eine Zeit lang, dann kommt das Ende schon in Sicht, also das von meinen Kräften, das vom Berg leider noch nicht. An dem Moment in dem ich scheiter, nicht am Berg sondern an mir, komm ich in einen Wald, der versperrt den Blick auf das Gebirg. Zweifel werden zur Angst, mich selber zu verliern.
Wenn ich nicht weißt wo mein großes Ziel ist, was weiß ich dann von mir? Doch dort ist nur die nächste Kurve und ich beginne zu verstehen, Bergfahren ist wie der Rest von meinem Leben. Ich kenne nur den Weg bis zur nächsten Biegung, danach ist es ungewiss. Ich weiß nicht wo mein großes Ziel ist, ob es sowas überhaupt gibt, doch dort wo ich steh ist nun der Mittelpunkt der Welt, keine falschen Träume nur was ist, ist das was zählt. Ich seh wo ich steh nun nicht mehr im Vergleich und der Weg bis zur nächsten Kurve wirkt für mich doch eher leicht. So tret‘ ich immer weiter, bis zum Ende meines Blicks, schaue dort nur zur nächsten Kurve und auch immer seltener zurück. Irgendwann, es kam mir kurz vor, komme ich oben an. Ich hab den Berg erklommen, auch wenn ich noch immer glaube, dass ich es nicht kann. Oben am höchsten Punkt des Berges wird mir klar, dass dieser Berg so viel Ziel wie jede Kurve vorher war.

~Jacob Demmler